Wer seid ihr?

Ich könnt ja wetten, dass diese Frage schon an hundert anderen Orten gestellt wurde, aber dann sind diese Orte spurlos an mir vorbei gegangen: Wer bin ich online?

Christian Heilmann hat auf dem BarCamp Paris eine Präsentation namens "Casting Online Shadows" gehalten, wo über über den Vergleich zwischen Person im Internet und realer Person spricht und noch wichtiger: über den Eindruck, den Andere von einem haben, wenn sie nur die Inhalte aus dem Internet zur Verfügung haben. Ziemlich interessant, kann nur empfehlen sich die Präsentation mal anzuschauen.

Es braucht einige Zeit und Mühe, sich online einen Namen (oder Status, falls man den Begriff vorziehen möchte) zu machen. Lustigerweise braucht es aber meistens nur ein oder zwei blöde Fehler, und schon kann es vorbei sein. Ich habe einiges ausprobiert, über dies geschrieben, über jenes geschrieben, sachliche Umgangsform ausprobiert, Slapstick, eigentlich alles, und erst jetzt bin ich bei einer Form angekommen, die mir wirklich gefällt, und die mich auch online gewissermaßen reflektiert, bei der ich mich wirklich wohl fühle. Es wird Themen geben, die ich niemals oder nicht noch einmal anschneiden werde, aus vielerlei Gründen. Ich überlege mir normalerweise auch zwei Mal, ob ich über Dinge schreiben soll, die mich ärgern. Wirklich persönliche Erfahrungen sind auch so eine Gratwanderung, bei der einiges schief gehen kann. Ob ich nun wer bin, keine Ahnung. Aber zumindest ein paar Menschen können mit dem Pseudynom "Jeriko" etwas anfangen.

Genug von mir, wie siehts bei euch aus? Wieviel gebt ihr auf den (begrenzten) Eindruck, den ihr auf andere macht? Leute, die einen nicht kennen, aber dennoch glauben, euch zu kennen, weil sie euer Blog lesen, eure Kommentare, Chats, Mails? Leute, die vielleicht mal eines Tages dieser süße Typ / diese süße Kleine da drüben sind? Leute, die einen vielleicht eines Tages zu einem Vorstellungsgespräch für den eigenen Traumjob einladen? Leute, die einen nur durch das, was man im Internet hinterlässt, kennen? Lasst ihr trotzdem alles raus, oder seid ihr vorsichtig?

Diskussion: 9 Kommentare

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  1. 1 simon (Website)

    Ich habe mir auch mal früher Gedanken gemacht, was die Leute lesen wollen und habe versucht mich danach zu richten.
    Heute scheiß is drauf! Ich blogge das, wozu ich Lust habe. Mal in jenem Stil, mal in nem Anderen, mal Ernst, mal Lustig! Drauf geschissen. Das Blog bin ich, und nicht meine Leser. Klar, publizieren und gelesen werden ist geil. Wichtiger ist Spaß haben.
    Es gibt natürlich Themen, die ein no Go sind, über die ich nicht schreibe. Aber nicht primär wegen den Lesern, sondern wegen mir. Ich Egosau!

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  2. 2 dan (Website)

    Mein Blog lesen nur Leute, die ich auch persönlich kenne. Von daher…

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  3. 3 Jeriko (Website)

    Es geht ja nicht darum, sich für seine Leser zu verbiegen, da würde nur wieder die ewige Grundsatzdiskussion zum Thema Glaubwürdigkeit aufkommen. Mich würde da mehr interessieren, wie die äußere Wahrnehmung von mir ist, ob ich ich bin, wenn ich hier was schreibe, oder ob ich vorgebe, etwas zu sein, was ich in Wirklichkeit nicht bin.

    dan weisst du das genau? Bei mir ist es eher andersrum, genau weil ich weiss, dass hier auch Leute mitlesen, mit denen ich auch sonst viel zu tun habe – da überlege ich mir manchmal schon, ob ich über etwas schreiben soll oder nicht.

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  4. 4 simon (Website)

    Kann ich nicht beurteilen, da ich noch keinen Blogger über seinen Blog persönlich kennengelernt habe, sondern nur anders rum ;)
    Aber das ist schon eine intressante Frage, ich würde schon sagen, dass man ansatzweise beurteilen kann wie jemand tickt, wenn man lange genug seinen Blog liest.

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  5. 5 Julie Paradise (Website)

    Hhm, denkst Du in eine bestimmte Richtung bei der Frage?

    Für mich selbst habe ich ja ab und an das Gefühl, daß gerade Menschen, die glauben mich gut zu kennen, mit einigen meiner Geschichten, die alle mehr als einen wahren Kern haben, nicht so gut zurechtkommen und mich manchmal warnen möchten, ich solle doch nicht zu persönlich werden. Oder sie sagen, daß sie mir das schlicht nicht glauben, was da steht. Ich wundere mich dann immer und frage mich, wann mir denn da jemand nicht richtig zugehört hat, denn vieles davon schneide ich ab und zu mal an, aber dann ist eben nicht der richtige Ort für bestimmte Themen, so daß mein Wunsch, bestimmte Sachen einfach mal loszuwerden, eben in meinem Blog erfüllt wird.

    Wie da der Eindruck von außen ist, ist mir eigentlich ziemlich egal, wenn ich überlege, wie ich wohl wahrgenommen werde, kommt dabei naturgemäß ein sehr merkwürdiges Bild bei heraus, aber so ist das wohl, wenn man versucht, sich so von sich selbst zu distanzieren, daß man sich von außen betrachten kann. Es funktioniert schlicht nicht.

    Eine Beantwortung Deiner Frage, wie man Dich als Leser wahrnimmt, ohne Dich persönlich zu kennen, halte ich für schwierig, natürlich glaube ich als Leserin einen Eindruck davon gewonnen zu haben, wie Du so bist, so ganz grob und grundsätzlich, aber bevor man solche Fragen verantwortlich erwidern kann, muß man (meine Einstellung) doch erstmal schauen, was Du vor Januar 2007 so geschrieben und getrieben hast, also werde ich mal …

    Du Schlingel! Auch ‘ne Art, Leser zu animieren, alte Posts aus den Archiven zu kramen!

    ;-)

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  6. 6 Jeriko (Website)

    Hihi, erwischt! :-)

    Nein, es geht ja nicht nur um mich, sonst hätte ich ja auch konkret fragen können. Eher so um die generelle Wahrnehmung, ob man sich darüber Gedanken macht oder nicht, und eben auch inwiefern die eigenen Inhalte die wirkliche Person dahinter reflektieren. Das Paradebeispiel wäre wohl Don Alphonso, eine Kunstfigur, bei der ich mir im Leben nicht vorstellen kann, dass die dahinter stehende Person Rainer Meyer ebenfalls so drauf ist. Es geht dabei nicht um Kritik oder so, nur hin und wieder habe ich diesen Gedanken, als Blogger wie als Leser.

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  7. 7 dan (Website)

    @ Jeriko: Ich denke 70% der 30 Leutchen pro Tag kennen mich persönlich, denke ich. Genau weiß ich es auch nicht, aber die Wahrscheinlichkeit liegt hoch, dass es ungefähr so viele sind. Da überlege ich mir drei Mal worüber ich schreiben kann und worüber nicht.

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  8. 8 Julie Paradise (Website)

    Im Internet sind wir nicht anders als im echten Leben, die meisten Blogger zumindest.

    Wenn ich jemanden auf einem Konzert kennenlerne, haben wir beide voneinander gänzlich andere Eindrücke, als würden wir uns morgens in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit begegnen, er im Anzug und frisch rasiert, ich in Schühchen und mit Laptoptasche unterm Arm.

    Kleidung wird vielleicht durch Layout ersetzt, der Tonfall schwingt im Text mit, aber letztlich sind die Informationen, die man voneinander erhält ebenso fragmentarisch wie im Leben.

    Rainer Meyer setzt sich einmal am Tag die Haßkappe auf und wird zu Don Alphonso, Beetlebum zeichnet Comicstrips, der MC flasht als Kieler Junge und Styler vorm Herrn, aber diese Bröckchen an Mitteilung als Ausdruck der gesamten Persönlichkeit zu sehen, das tut wohl niemand.

    Natürlich spekuliere ich manchmal, wie der Mensch hinter dem Text wohl ist, bei manchen Blogs brauche ich das nicht einmal, da kenne ich den Menschen und versuche, mein Bild von ihnen mit dem Text in Einklang zu bringen, wobei auch das Wörtchen “Text” beachtet werden muß: Das hier ist eine prima Spielwiese, die man letztlich immer verkleidet betritt.

    Um den Menschen dahinter kennenzulernen muß man den Menschen dahinter kennenlernen, nicht nur seine Texte oder Meinungen oder Musikvorlieben.

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  9. 9 Jeriko (Website)

    Eigentlich könnte ich die Kommentare jetzt schließen. Ganz ehrlich, mir fällt gerade nix mehr ein, was ich darauf erwidern könnte. Und das meine ich absolut positiv!

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