Das schöne am Alkoholeinfluss ist ja, dass man einfach mal drauflos schreiben kann, ohne sich über die Gedanken darüber im Klaren zu sein. Vielleicht gibts morgen früh ein böses Erwachen, vielleicht aber auch nicht. Mir gerade sowas von egal. Ich ärgere mich.
480x60 Pixel, oder aber auch 160x600 Pixel Fläche, die irgendwo in einem Blog vorkommen, die aber nicht vom Blogger selbst mit Inhalt gefüllt werden, sondern von einem externen Anbieter, der dem Blogger dafür über einen Dritten Geld gibt. Was in allen Herrgottsnamen ist daran denn so schlimm? Was!? Erklärts mir! Erklärt mir, warum ihr dieses Riesengeschrei anfangt, über Ausverkauf, Kommerz, Unglaubwürdigkeit und was weiss ich noch alles. Für mein Verständnis kann jeder Blogger über jede einzelne Anzeige selber entscheiden, ob er sie auf seinem Blog schalten will oder nicht. Jeder Blogger ist von dieser Anzeige völlig unabhängig und kann weiter seine gewohnten Inhalte liefern, er verdient lediglich ein paar Flocken nebenher. Was ist daran bitte so verwerflich?
Warum muss man in der deutschen Blogosphäre eigentlich so einen Schiss davor haben, wenn der Faktor Geld ins Spiel kommt? Sobald man irgendwo auch nur den Anschein erweckt, als würde man für das, was einem Spaß macht, auch ein bisschen Geld einstreichen, kommt sofort das große Geschrei, man muss sich rechtfertigen, verteidigen für eine im Grunde vollkommen sinnlose Debatte. Guckt verdammt nochmal über den Ozean, da ist sowas gang und gäbe, deswegen haben Blogs wie Boing Boing oder TechCrunch trotzdem nicht weniger Besucher, die nich trotzdem zu differenzierten Diskussionen bereit sind, ohne dass dabei jemand an den Pranger gestellt wird. Warum? Weil die Inhalte davon nicht berührt sind, darum! Nix Ausverkauf!
Und kommt schon, dieses Cisco-Argument? Von wegen Zensur in China fördern? Da fällt euch doch sicher was besseres ein als so ein Schmodder. Jedesmal, wenn ihr Google für eine Suche bemüht, unterstützt ihr die Zensur in China. Jedesmal, wenn ihr euch auf YouTube ein Video reinzieht, habt ihr im Hinterkopf, dass das Pentagon dort Propagandavideos für den Irak-Krieg schaltet. Aber es ist natürlich einfach, auf etwas draufzuhauen, wenn man selber nichts damit zu tun hat. Ganz groß. Bin schon gespannt, was die deutsche Behindertenhilfe für Leichen im Keller hat.
Ja sicher sind die Macher hinter diesem Dritten nicht die Erfahrensten in diesem Business. So what, einer muss doch den Anfang machen, oder? Dass man Fehler macht ist nur natürlich, dass darauf rumgetreten wird eigentlich asozial. Dass man sich auf einmal rechtfertigen muss, ist ein Armutszeugnis - und das meine ich nicht auf Seiten der Angeklagten.
Ich werde wahrscheinlich nie verstehen, warum um diesen Status "Blogger" ein solcher Wirbel gemacht wird. Ja, wir haben unsere eigene kleine Welt, in der diskutiert wird, kommentiert, nur die wenigsten meiner Freunde wissen mit dem Begriff Blog etwas anzufangen, was für mich die Faszination dahinter ist und trotzdem, ich sehe mich selber nicht als jemand, der für die Freiheit kämpft, dem Geld nichts bedeutet, der aus dem Untergrund heraus die Welt verändern möchte. Ich würde es mir zwei Mal überlegen, wenn ich für Geld meine Inhalte verdrehen müsste, wenn ich meine Leser mit etwas konfontrieren müsste, wovon ich selber nicht überzeugt bin. Meine Leser bedeuten mir viel, sehr viel. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass sie mit einer 160x600 Pixel großen Fläche, auf der eben nicht Inhalte von mir zu sehen sind, durchaus umgehen können. Also was ist das Problem? Was ist euer Problem?
Das Ganze hier steht nicht, weil ich auf einen Zug aufspringen will, weil ich hip sein will, weil ich verlinkt werden will, weil ich mich dranhängen will. Das Ganze steht hier, weil es mich wirklich wirklich ärgert. Ich hab nicht mal mehr drüber geschaut, das böse Erwachen kommt dann morgen früh. Vielleicht auch nicht. Er will dazu nichts schreiben, ich hab damit gerade kein Problem: Eure anmaßende Arroganz lässt mich brechen. Anstatt irgendwie anzuerkennen, dass es da jemanden gibt, der bereit ist, euch in einer gewissen Art und Weise vor anderen zu vertreten, tretet ihr rein. Und davon hat wirklich niemand etwas.
Anmerkung: Ein kleines böses Erwachen gibts tatsächlich, daher vielleicht nur die Anmerkung, den ersten Absatz zu ignorieren. Dass es da steht lässt sich jetzt sowieso nicht mehr ändern, aber ich kann zumindest noch das Statement abgeben, dass ich nicht völlig geistig umnebelt war, wie es einige gerne hätten, damit man sich darauf festlegen kann. Was hier steht, dazu stehe ich, nur tut mir bitte den Gefallen und bringt das nicht mit Alkohol in Zusammenhang, denn der hat am Ärger um die ganze Sache die wenigste Schuld. Danke.













Leicht OT: Wenn ich alkoholisiert bin, tippe ich immer so langsam, dass ich zu frustriert bin, längere Gedanken zu verschriftlichen.
Zum Thema: Achja, die Moral. Ein schöner Gradmesser, nach dem sich gut andere Menschen beurteilen, aber schlecht selbst handeln lässt.
Ich bin da im großen und ganzen schon deiner Meinung, denn diese ganze Diskussion – so mein Eindruck – dreht sich mittlerweile nun schon nicht mehr um das eigentliche Problem (tendenziöse Beiträge wegen Werbung – das wars doch, oder?), sondern um die Debatte selbst. Eine Metadiskussion, die niemandem etwas bringt, aber man kann schön was dazu sagen.
Btw: “I’m so worried about modern technology” sang Monty Python schon 1989. Nothing ever changes :-/
das problem an dieser diskussion ist der ganze kern, der meines erachtens nach echt heuchelt. wenn mir die werbung auf den sack geht, dann öffne ich in zukunft bestimmte blogs nicht mehr. die leute, die mosern, haben ein problem:
ihr kellerkind “das blog”, ihr piratenstatus wirkt durch werbebanner offiziell. schlagartig ist für viele der zauber der textlichen revolution verflogen. nachdem man in deutschland quasi so rein gar nicht mehr seine persönlichkeit unter einem button präsentieren kann, stelle ich mir folgende frage:
war es nicht klar, dass die blogosphäre irgendwann soviel einfluss auf die medien hat, dass selbst die werbung ins spiel kommt. die leute, die rumheulen und rummosern haben nicht des bloggens willen, viel mehr der präsentation willen gebloggt.
finde deinen blog übrigens echt cool. auch optisch.
grüße
koppkino
Ich sollte wohl wieder öfter trinken und bloggen ;)
Vielleicht sind sie nur neidisch – wie ich – , dass ihr eigenes Blog im Vergleich so unbedeutend/unbekannt/unbesucht ist, dass keiner darauf Werbung machen will?
Das, was den Leuten aufstößt ist, daß früher oder später allesverkauft wird. Wir verkaufen unseren Geist, Körper und die kostbare Lebenszeit an den Arbeitgeber, verkaufen bei Payback unser Konsumverhalten, verkaufen unser dämliches Lächeln im Bewerbungsgespräch, verkaufen alles, was man verkaufen kann.
Wenn man in Blogs Werbung schaltet, verkauft man einen kleinen Teil seiner Seele. Mir persönlich ist das Wurscht, den Rest von mir hab ich ja auch schon verkauft.
@Tom: Ein Teil vielleicht. Wenn sich für einen selbst gar nicht die Frage stellt ob man was macht, kann man leicht darüber schimpfen.
Aber ich denke ein anderer Teil glaubt das Blogs die Punks des Internets sind. Und da frage ich mich ob die das alles verstanden haben. Weil Blogs sind keine Bewegung und auch keine Lebenseinstellung. Blogs sind einfach eine Art wie man Inhalte publizieren kann. So wie CDs. Die kann man auch verkaufen. Oder verschenken.
Und dann gibt es natürlich noch den dritten Teil, die sich dadurch profillieren wollen. Es hat sich bisher schon öfter gezeigt das Kontroversen oft die eigenen Besucherzahlen in die Höhe schnellen lassen.
Solange Werbung als solche gekennzeichnet ist und man nicht erst eine Viertelstunde Banner wegklicken muss, bevor man an den Inhalt des eigentlichen Blogs kommt, hab ich damit kein Problem. – Ist doch schön, wenn manche die Option haben, sich in einer Zeit, in der sich die Preise verdoppelt haben, die Gehälter aber gleichgeblieben sind, so leicht noch etwas dazuzuverdienen!
Ich habe aber auch eine außergewöhnliche Fähigkeit, Werbung nicht nur zu ignorieren, sondern erst gar nicht wahrzunehmen…
Die deutsche Blogosphäre ist in seiner Art eh anders als andere. Mich stören die kleinen Textlinks von Linklift und google nicht. Die Kommerzialisierung der Sachen sehe ich nur wenn Beiträge wegen Produkten,Sendungen,TV Inhalten oder anderem extra geschrieben werden. Ein Buch zu empfehlen weil es einem gefällt – kein Ding, aber ein Beitrag zu schreiben dem man bezahlt kriegt damit man das Produkt oder die Sache gut dastehen lässt – das ist für mich ekelhafter Kommerz.
btw. Prost :)
Kann Dir insgesamt nur zustimmen, jeriko. Gegen Werbung auf Blogs zu sein, ist dumme Heuchelei, von Pseudodogmatikern. Auch wenn es überheblich klingt, für die ein oder andere Freiheit möchte ich schon kämpfen wollen. Aber ich brauch auch was zu futtern. Und wenn ich mit der Revolution mein täglich Brot verdienen könnte? Super.
Schaut Euch mal den linken Bloghoster blogsport.de an. Die schalten ihren Bloggern erstmal automatisch Werbung auf den Blog. Weil sie ihre Kosten ja irgendwie reinbekommen müssen. Das ganze ist dadurch abgefedert, dass sich gegen geringere Beiträge Anzeigen für linke Porjekte die Google-Ads ersetzen oder gar keine Anzeigen drauf laufen. Eine clevere Lösung, finde ich.
Solange wir nicht von Soma leben können, muss irgendwo irgendwer was für unser Über-Leben produzieren, das kostet Arbeit und die muss entlohnt werden. Irgendwie. Das ist übrigens in allen politischen Systemen so. Wer das doof findet, geht bitte in die Einsiedelei. Wer das akzeptiert, denkt einfach mal drüber nach, von was er/sie lebt. Vom Angestelltenjob unter schlechten Arbeitsbedingungen, von staatlicher Unterstützung, vom erbe der Eltern oder von der Kohle aus den PR-Abteilungen der bösen Konzerne?
Ich würde die Variante wählen, in der mir am wenigsten diktiert wird. Schade, dass mein kleines Blog nicht relevant genug für gut bezahlte Werbung ist.
mich stört immer nur, daß die werbung so häßlich ist – aber das ist wohl nur wieder meine oberflächlichundifferenzierte haltung. macht doch alle, was ihr wollt.
und danke, für diesen post!
Ja, danke für diesen Artikel.
so lange es adblocker gibt ist mir das thema selten egal…
Prost! :)
Meinung siehe Trackback
Manueller Trackback:
http://wonko.twoday.net/stories/3735600/
[...]Ein paar gute und weniger gute Gedanken zum Thema “Blog, Adical und Werbung Allgemein” finden sich bei Jeriko One. Nicht, daß ich seine Ansichten unbedingt teile, aber wenigstens macht er den Versuch nicht in den Reflex zu verfallen, der sich in der Blogosphäre seit Wochen breit macht und in der die Bandagen ständig verstärkt werden.[...]
meine ignoranz kennt keine grenzen..
gegenüber werbebannern ;)
(es sei denn es geht um diese dreckigen inhaltsüberlagernden flashdinger..)
Ich kann die große Heuchelei der “A-Blogger” schon lange nicht mehr nachvollziehen. Im Innersten würden sie sich ihre investierte Zeit gerne vergolden lassen, doch die Angst ein paar Leser mit unaufdringlichen kontextbasierten Anzeigen zu vergraulen ist wahrscheinlich zu groß. Umso größer dann wahrscheinlich der Frust für sie zu sehen, dass kleinere Blogs relativ unbeschwert mit dem Thema Werbung umgehen.
Letztendlich sollen die Leser entscheiden ob ihnen Werbung in Blogs stinkt oder nicht. Die paar A-Blogger sind nicht repräsentativ und scheren mich gelinde gesagt einen feuchten Pups.
Ich kann dich gut verstehen und mir ist auch schon hier und da beim Lesen von Kommentaren/Beiträgen der Kragen geplatzt. Aber wie ist es im Reallife? Genauso. Es gibt Leute, die läßt man am besten stehen und geht weiter.
Es ist DEIN Blog PUNKT!
Boje: Der Punkt ist hier leider nicht das Ende. Ist nunmal nicht sonderlich lustig, morgens in den Google-Spiegel zu schauen, und all die absurden Unterstellungen zu lesen, die sich die heuchlerischen Blogdenunzianten zusammenphantasieren, um sich auf Kosten Dritter zu profilieren. Ist nämlich nicht nur mein Blog, ist auch mein Leben.
Mag im Einzelfall stimmen. Ich weiß nicht, was dazu geführt hat, daß Du Dein Blog abgeschaltet hast.