Richtig scheisse kalt war es an diesem Abend, das weiss ich noch. Schließlich mussten wir ja mit der Straßenbahn anreisen, Führerschein und solche Dinge lagen noch in weiter Ferne. An die Supportbands kann ich mich gar nicht mehr erinnern, ich glaube es waren Killgore (gibts nicht mehr) und Spineshank (wusste ich damals nicht zu schätzen, schade). Aber die waren sowieso nur schmückendes Beiwerk für meine damaligen Götter. Mein drittes Fear Factory Konzert.
Wir stehen in der fünften oder sechsten Reihe zwischen ca. 2.000 Leuten, bekanntlich wird der Moshpit dort immer am besten sein und harren der Dinge, die da kommen. Und die Saalbeleuchtung geht aus, ein Jubel geht durch die Menge, aus dem Off kommen Alarmsirenen. Burton C. Bell betritt die Bühne, nur ein wenig Licht... "What's up Colooooogne!? You're ready to tear shit up!? Welcome to the world of Fear Factory, prepare for Shoooock!" Und es wird dunkel, die ersten Töne kommen aus den Lautsprechern, dass unendliche Warten hat ein Ende, Raymond Herrera aka The Mexicutioner lässt seine Doublebase vom Stapel, die Live Music Hall wird von einem Stakkatolicht erfasst, die Muskeln beginnen sich im Rythmus zu bewegen, du weisst genau, gleich wird es losgehen, du weisst genau, um dich herum befinden sich 500 Personen, die genau dasselbe denken, die auf diesen einen Moment warten, an dem die Meute losgelassen wird, an dem Körper aneinanderknallen, Arme wild gestikulieren, man sich in der Menschenmasse mittragen lässt, eventuell eine Faust oder einen Fuss oder einen Ellbogen abbekommt, Blessuren davon tragen könnte, vielleicht auch schlimmeres, und du weisst genau, es ist dir völlig egal, denn genau das willst du jetzt in diesem Moment haben, du willst die Aggressivität aus dir heraus schreien, willst in der Masse bstehen, alles hinter dir lassen und die nächsten neunzig Minuten alles geben, und das Drumsolo zieht sich, alles wird auf einmal so langsam, und dann, ganz plötzlich, ist für diesen kurzen Moment Stille. Die Lightshow setzt ein, Burton setzt an. Es geht los.