Und damit endet die Geschichte für mich. Heute morgen ging die unterzeichnete Unterlassungserklärung auf den Weg, die Kostennote wurde ebenfalls beglichen.
Letztlich sah sich die Gegenseite nicht veranlasst, sich irgendwie zu dem Vorfall zu äußern. Musste sie ja auch nicht, rechtlich gesehen war die Sache nun mal eindeutig und man hätte höchstens auf ihre Gnade hoffen können. Ich habe ein MP3 auf meinem Webspace gehostet, deren Rechte zur Verbreitung bei der Universal Music GmbH liegen. Dass die ursprüngliche Verbreitung im Rahmen einer Marketingaktion bzw. eines Spiels rund um die bevorstehende Veröffentlichung des neuen Albums stattgefunden hat ist dabei unerheblich, da eben nicht von der Plattenfirma abgesegnet – so zumindest mein Wissensstand. Ich hätte mich natürlich auf den Standpunkt stellen können, dass man mir erstmal beweisen soll, dass es wirklich der Song ist, der auch auf dem Album erscheinen wird. Das hätte aber auch nur alles hinausgezögert, und das Ergebnis wäre das Gleiche. Ich weiß, viele haben mir dazu geraten nichts zu zahlen, nichts zu unterschreiben, mir einen Anwalt zu nehmen und es drauf ankommen zu lassen. Ich befinde mich aber vor allem finanziell nicht in einer solchen Position, vor allem nicht bei einer so wenig Erfolg versprechenden Aussicht. Wenn man dahinter eine Aktion der Art „Bring the small man down“ vermutet – dann hat man damit wohl recht. Sorry, wenn ich einige von euch mit dieser Haltung enttäuschen sollte, aber ich muss eben an mich denken.
Aber ich sehe mich selbst nur als halb Gefickter.
Ich kann mich an dieser Stelle nur noch mal wiederholen: Danke. Ich meine, als ich am Dienstag die Abmahnung in der Hand hielt, da war ich noch sofort bereit, diese zu begleichen um die Sache aus der Welt zu schaffen. Aber dann kamen all die Rückhalte, die besten Wünsche, die Kommentare, Spekulationen und noch so viel mehr. Menschen, die mich überhaupt nicht kennen, ja davor noch nicht mal mein Blog kannten haben mir ihre Hilfe angeboten, sich für mich eingesetzt. Einfach so. Ich bin mit Menschen in Kontakt gekommen, von denen ich es nie für möglich gehalten hätte. Es war gewissermaßen überwältigend und hat mir – so kitschig es auch klingen mag – die Kraft gegeben, zumindest einen Versuch zu starten, Licht ins Dunkel zu bringen und vielleicht doch eine Wende zu erzwingen. Es hat halt nicht sollen sein, aber mein Blick auf die Blogosphäre hat sich entscheidend verändert. Ich bin nicht allein, es gibt immer Menschen, die einem helfen können – und wollen! Und für diese Haltung kann ich mich einfach nur bedanken.
Ich hatte offen gelassen, wo meine neuen Grenzen im Bezug auf dieses Blog sein werden. Ein Umdenken wird natürlich schon stattfinden, auch ein wenig thematisch, aber ansonsten ändert sich hier nichts. Gar nichts. Ich kann ja nichts dafür wenn Plattenfirmen virales Marketing nicht verstehen wollen. Dass es genug Leute gibt, die sich mit Begeisterung am Alternate Reality Game beteiligen, die sich unter Garantie die Scheibe zulegen werden, nur um weitere Einsichten zu erhalten. Dass das Album und das Spiel ein Gesamtpaket sind. Davon lasse ich mir nicht den Spaß am Bloggen vermiesen. Na gut, rechtlich werde ich mich wohl bei unklaren Sachen eher auf die sichere Seite begeben, aber das kann man mir ja nicht verdenken.
Noch zwei Sachen zum Abschluss: Zum einen gab es sowohl hier als auch an anderer Stelle die Vermutung, dass die Abmahnung selbst Teil des Spiels wäre. Ich kann nur versichern, dass ist nicht der Fall. Dann wurde auch die Möglichkeit des reinen Anhörens – ohne Download – schon als abmahnfähiger Tatbestand beschrieben, das wäre sicherlich interessant zu wissen für Website-Betreiber, die via Flash-Player o.ä. MP3s von anderen Servern zum Hören anbieten. Nur so als Warnung, gell?
Ach, und erinnert ihr euch noch an die Vermutung, dass man die Sache nicht über maschinelle Suche ausgemacht hat? Ich hatte Recht.
Ganze Beitragsserie: Da hab ichs erfahren, da beschreib ichs ein bisschen besser und hier gibts doch noch ein gutes Ende.


Beschämend aber nicht unerwartet, das sich die Universal nicht weiter dazu äußert. Mögen sie dafür mit Juckreiz, schlechtem Karma und Umsatzeinbußen gestraft werden.
Ich glaube nicht, dass Du Dich entschuldigen musst – Du wurdest abgemahnt, nicht irgendjemand, der vielleicht irgendwas oder irgendeine Haltung von Dir erwartet hat.
Und was die Nicht-Reaktion von Universal angeht, mein Großvater pflegte gerne mal zu sagen “Keine Antwort ist auch eine Antwort”. Und die “Antwort” von Universal habe ich persönlich so verstanden: “Fans? Die sollen mal schön die CDs kaufen und ansonsten schön das Maul halten…”
Diese an sich fabelhafte Kampagne, die demonstriert, dass Musik innovativ und aller Voraussicht nach erfolgreich promotet werden kann, wird in meinem Empfinden durch Kurzsichtigkeit und Unfähigkeit in ihrem Konzept in Frage gestellt. Die vielen talentierten Menschen die hier wahrhaftig Kunst abgeliefert haben, werden von den schlechtesten Agenten vertreten die denkbar sind: Den Juristen eines Major-Labels.
Die in diesem Zusammenhang an Dich verschickte Abmahnung trifft in gewisser weise auch mich und zwar in zweifacher Weise. Einerseits durch die von mir empfundene Ungerechtigkeit, andererseits durch die Erkenntnis, dass wirtschaftlich Verantwortliche nicht dazu in der Lage sind, Konzepte zu erkennen, geschweige denn anzuwenden, mit denen Musik in einer Welt, in der ihr Monopol der Musikdatenträgerherstellung längst Geschichte ist, verkaufbar bleibt. Diese Tatsache schmerzt mich, da sie, vielmehr als jeder Form rechtswidriger Weitergabe von Inhalten, dazu führen wird, das viele Musiker mit ihren Beruf keinen Lebensunterhalt mehr erwirtschaften können und so die kulturelle Vielfalt eingeschränkt wird.
Obwohl ich der Ansicht bin, dass NIN ebenso wie die Agentur 42entertainment Großartiges geleistet haben, kann ich mir dieses Album nicht mehr kaufen, denn ich hätte das Gefühl, dass es falsch ist. Letztlich fallen nicht nur die Handlungen einer Person, sondern auch die Ihrer gewählten Vertreter auf dieselbe zurück. So bleibt der Praxis, Material zu veröffentlichen, dazu Graukanäle zu nutzen und schließlich die Inhaber jener Kanäle über die eigene Rechtsabteilung zu belangen, etwas, in meinem Empfinden, im höchsten Maße mafioses anhaften.
Deine Reaktion auf die Sache, zu zahlen und zu unterschreiben, war leider die einzige vernünftige und in keiner Weise enttäuschend.
Herzliche Grüße, halte die Ohren steif.
-jl-
Natürlich ist es schade um die Künstler, die mit Musik ihr Geld verdienen und an große Labels gebunden sind, aber es geht auch anders, wie z.B. magnatune.com zeigt: Die Musiker dort veröffentlichen ihre Werke zu fairen Konditionen den Hörern gegenüber und behalten trotzdem alle Rechte an ihren Stücken. Generell halte ich freie Musik für eine gute Antwort auf die Arroganz der Plattenfirmen ihren Kunden gegenüber. Ich merke jedenfalls, dass ich mich so langsam vom „kommerziellen Musikmarkt“ immer mehr abkoppele angesichts deutlich besserer Alternativen.
Hallo…
Vielleicht hast Du es Dir schon selbst überlegt oder jemand anders hat es angeraten, aber falls nicht: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Art und Weise, wie die Plattenfirma mit Dir verfahren ist, im Sinne Trent Reznors ist. Immerhin dreht sich doch der ganze “Year Zero”-Komplex um das Leben in einer totalitären Gesellschaft in der Repression an der Tagesordnung ist, und um den Widerstand dagegen.
Ich weiß nicht, wie genau das anzustellen ist, aber vielleicht könnte es sich als nützlich erweisen, wenn Du Reznor auf diese Praxis aufmerksam machst.
Die besten Wünsche -
D.
Riesensauerei was Dir da passiert ist. Und das Du mit einem Stream Werbung für deine Band und ihre Musik gemacht hast, geht in diese Betonköpfe nicht rein. Ich habe jedenfalls den Flashplayer von Last.FM von meiner Seite entfernt, weil ich die rechtliche Situation einfach nicht einordnen kann. Es muss ja sowieso damit gerechnet werden, das an jeder Ecke im Web (hat das Web Ecken?) ein Blockwart mit gezücktem Notizbuch steht.
Und wieder ein erfolgreicher Beutezug der Raubanwälte… Solche Ungerechtigkeiten regen mich tierisch auf !
Echt mies. Ob webmaster wohl jemals von der Abmahn-Gefahr und Realität (bei Unschuld oder Versehen) befreit werden?
Hallo mark, man kann dieser Gefahr ganz einfach dadurch aus dem Weg gehen, indem man konsequent auf freie Inhalte setzt. Sollen doch diejenigen, die auf Verwertungsrechten beharren, selbst erfahren, dass ihr Modell angesichts einer Kultur des Remixens und Samplens keine Zukunft hat.
Hey, ich glaube, dass du mittlerweile zu den Guten gehörst ;-) Siehe z.B. den heutigen heise-Artikel http://www.heise.de/newsticker/meldung/87977
Karamba, das zieht ja Kreise mittlerweile… danke für den Hinweis Robert! :-)