Mittwoch, 17. Januar 2007

7 Gewohnheiten eines erfolgreichen, angestellten Webdesigners

Andy Budd hat vor einiger Zeit einen Artikel über die “7 Habits of a Highly Successful Freelance Web Designer” geschrieben, der wirklich gut zu lesen war, mich aber auch nachdenklich gemacht hat. Die meisten von uns möchten Freelancer sein oder sind es für eine gewisse Zeit, aber was ist mit denen, die zurzeit angestellt sind? Kleine, hippe Agenturen, größere Entwicklungsteams oder gar große Medienkonzerne, die bisweilen konservativ sein können, dafür aber ein richtig gutes Team haben?

Ich habe für ein paar gearbeitet, und just for fun werde ich die originalen 7 Gewohnheiten von Andy Budd beibehalten. Ich denke, die Unterschiede sind recht fein, und der Typ Entwickler, der man ist, kommt in beiden Umgebungen zum Vorschein.

Liebe was du tust

Firmenregeln, schleimiges Senior Management, gelangweilte Mitarbeiter and nörgelnde Psychos sind nur einige der Charaktere, mit denen man am Arbeitsplatz zu tun hat. Die Arbeit ist einer der wenigen Plätze, wo man mit Menschen auskommen muss, die einen nicht interessieren oder die nicht dieselben Interessen wie man selbst hat.

Hoffentlich gibt es also nach den üblichen Auseinandersetzungen und bei der tagtäglichen Arbeit genug interessante Dinge, die einen für den Rest des Tages inspirieren und motivieren. Die Glücklichen unter uns haben solche Dinge für den ganzen Tag, aber ähnlich wie beim Freelancing gibt es genug kleine bzw. unvermeidliche Aufgaben, die vor dem spaßigen Teil erledigt werden müssen.

Und diese spaßigen Sachen sind es, die einen morgens aus dem Bett holen und den Tag lohnenswert machen. Wenn diese anfangen zu verschwinden, die Tage nur noch zur “Arbeit” werden, dann ist es Zeit für eine Veränderung. Es ist Zeit, weiterzugehen und etwas neues zu beginnen. Das kann Freelancing bedeuten, eine andere Firma, oder aber auch eine neue Position innerhalb derselben Firma.

Lerne nie aus

RSS Feeds, Bücher und Blogs sollten eine wichtige Quelle für den angestellten Webentwickler sein, um weiter an seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Ich hätte teilweise keine Chance, interne Emails oder Diskussionen zu verfolgen, würde ich mich nicht ständig weiter entwickeln – diese Branche ist dafür einfach zu schnell (und verrückt). Tägliche Diskussionen mit anderen sind gut, um eigene Ansichten zu Themen wie Entwicklung und Usability zu überprüfen.

Ein großer Pluspunkt als Angestellter sind die Mitarbeiter, von denen man lernen kann. Man arbeitet vielleicht mit einem Front-End Team und macht dieselbe Art Arbeit jeden Tag, aber ohne Zweifel hat jeder Entwickler seine Stärken, die man nutzen kann. Der eine mag ein JavaScript Guru sein, der nächste weiß ein bisschen was über Ruby… stellt Fragen, und findet heraus, wieso z.B. der JavaScript-Typ es hasst, wenn man Prototype einsetzt. Diese Art von Teams sind so mit das Beste, wenn es um die Feinheiten der (persönlichen) Entwicklung geht.

Spezialisiere dich

Die Tage des “Über-Multitasking Entwicklers/Designers” sind vorbei (zumindest wenn man sich als solcher bewirbt und ernsthaft denkt, der Arbeitgeber glaubt wirklich, man habe diese Fähigkeiten). Heutzutage ist es am besten, eine solide Basis in einigen Bereichen zu haben. In größeren Firmen ist man für gewöhnlich aufs Webdesign und den ganzen Prozess dahinter beschränkt, während IA und Backend-Programmierung nicht in die eigene Zuständigkeit fällt.

Schon allein bei CSS sind genug Kenntnisse nötig, um eine professionelle, qualitativ gute Website zu erstellen. Browserbugs, Kompatibilität, Wissen um Semantik, Accessibility, SEO sind nur ein paar der Begriffe bei größeren Projekten. Es ist immer gut, so viel wie möglich zu wissen, aber man wird niemals ein Experte in allen Bereichen sein.

Erstelle das perfekte Portfolio

Es ist ein bisschen schwierig, als Angestellter ein Produkt zu entwickeln, es ins Portfolio zu stecken und zu erwarten, dass es nach einem Jahr noch genauso aussieht. Wer weiß schon, wer noch alles über das CMS Zugang zur Website hatte? Wissen die überhaupt, was Webstandards sind? Sind sie in ihren Zugangsmöglichkeiten überhaupt eingeschränkt?

Leider ist das ein Nachteil, wenn man für größere Firmen an Projekten arbeitet. Websites sind nur für einen gewissen Zeitraum Portfolio-geeignet, je nach Größe der Website und Anzahl der Leute, die noch Zugang zu ihr haben.

Diese Fluktuation kann man aber zu seinem Vorteil nutzen, in dem man ständig neue Websites baut, neue Features in Bestehende einbaut (AJAX anyone?) und gerade diese als “featured” herausstellt, wenn man sich irgendwo bewirbt. Niemand schaut wirklich auf eine Liste von Websites und nimmt sie (HTML-)Tag für Tag auseinander. Wenn man eine ordentliche Anzahl gut designter Websites hat und auch den persönlichen Einfluss innerhalb der alten Firma rausstellen kann, sieht man bei einer Bewerbung schon verdammt gut aus.

Richtig große Kunden oder 800 Seiten Websites sind etwas, dass die meisten Freelancer nicht vorweisen können.

Wenn man doch ein wenig Sorge hat, dass sich jemand wirklich durch die Seite wühlt, sollte man eine eigene Website starten, über die man 100% Kontrolle hat. Startet ein Blog, stellt sicher dass der Code valide ist, die Website selber zugänglich (im Sinne von Accessibility) und auch wirklich als “application/xhtml+xml” ausgeliefert wird. Das zeigt, dass man wirklich Ahnung hat und lanciert die vielleicht nicht ganz perfekten, anderen Arbeiten.

Vernetze dich wie verrückt

Man kann leicht vergessen, dass es auch andere Abteilungen gibt, wenn man ständig von IT-Leuten umgeben ist. Das ist in größeren Firmen normal, für einige ist es z.B. nicht so einfach, die Marketingleute am Ende des Flures anzusprechen.

Diese unterschiedlichen Abteilungen bieten die Chance, sich weiter zu vernetzen und mehr über die Firma oder die ganze Branche zu verstehen. Als Webdesigner ist es leicht, nur die akuten Probleme zu sehen, aber mir tut es auch gut, einen Schritt nach hinten zu machen und das größere Bild der Branche zu verstehen. Wieso zur Hölle interessiert sich das Marketing nicht für Webdesign? Gibt es einen guten Grund, oder hat einfach noch niemand versucht, ihnen die Vorteile klarzumachen? Lerne diese Leute und ihre Belange kennen, das hilft einem, leichter durch den Tag zu kommen.

Diese Leute werden vielleicht auch die eigene Firma irgendwann verlassen. Ob man später mal Freelancer wird oder sich woanders bewirbt, es ist immer gut zu wissen, dass diese Leute einen kennen und evtl. auch weiterhelfen können.

Verwalte deine Zeit

Es ist so verdammt einfach, abgelenkt zu werden und nicht so effizient zu sein, wie man es sein könnte. Emails lesen, sinnlose Meetings besuchen, Kaffeepausen, Telefongespräche, und ehe man sich versieht, ist der Tag schon gelaufen, ohne dass man die Ziele für diesen Tag erreicht hat.

Es ist wichtig, dass man dazu in der Lage ist, an seinem Schreibtisch zu sitzen und ab und an wirklich etwas zu erledigen, besonders wenn man selber eine Ressource ist, die liefern muss. Also lieber mal nicht alle 2 Minuten die Emails checken, vielleicht auch in Outlook einen Termin für sich selbst festlegen, damit nicht jemand mit einem Meeting daher kommt. Die großen “Ich bin nicht hier!” Kopfhörer aufgesetzt um die quasi nicht vorhandenen Wände zu ersetzen und los geht’s.

Ein wichtiger Aspekt bei der Arbeit in einer Firma ist, dass man nicht bis spät in die Nacht arbeiten muss. Diese Zeit ist nur für einen selbst (und mögliche Nebenprojekte) reserviert. Angestellt zu sein bedeutet, den Arbeitsplatz zu verlassen wenn jeder andere es auch tut… vermutlich hat man einen Boss, arbeitet also tagsüber (was nicht auf Freelancer zutreffen muss). Ferien und weitere freie Zeit sind nur für einen selbst.

Arbeite an Deinem Ruf

Ein Weg, seine Arbeit merklich mehr zu genießen, ist, sich einen Ruf aufzubauen, so dass Leute wirklich mit einem arbeiten wollen.

Jeden Tag bedeutet das neue Herausforderungen, Möglichkeiten, neue Dinge über die Branche zu erfahren oder früher genannten spezialisierten Skills weiter zu perfektionieren. Jeder, der die Firma verlässt, hat eine gewisse Meinung über dich, das reicht von “Wer?” bis zu “Es war nicht einfach mit ihm zu arbeiten”. Man trifft diese Leute möglicherweise eines Tages wieder, in einer anderen Firma oder wenn man als Freelancer nach Arbeit sucht, daher wäre es durchaus sinnvoll, wenn diese Personen einen in guter Erinnerung haben.

Man weiß schließlich nie im Voraus, ob eine Person einem später nicht doch noch einmal helfen kann.

This translation was done with permisson from Scott Gledhill, the author of the original article. It was a response to an article written by Andy Budd – for which is also a translation available at STN.

6 Kommentare

  1. Sebastian

    Sehr gute Adaption, kann ich alles direkt so unterschreiben.

    Ich habe übrigens vor einer Weile den umgekehrten Sprung vom Freelancer zum Angestellten gemacht, und gerade die “echte” freie Zeit oder die Möglichkeit, größere Projekte zu realisieren sind Vorzüge, die man wirklich zu schätzen lernt.

  2. Martin Labuschin

    Sehr guter Artikel! In den meisten Punkten kann ich dir auch zustimmen.

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