Ich werde jemanden töten.
Bis letzte Woche hatte ich keine Ahnung davon, aber nach allem, was in den letzten Tagen so passiert ist, ist es mir nun schlagartig bewusst geworden. Vielleicht sollte ich ein bisschen weiter ausholen, warum jetzt alle vor mir Angst haben sollten.
Begonnen hat es so um 1993 herum, als DUMM (Name aus Angst vor möglichen Konsequenzen geändert) auf den Markt kam. DUMM hatte damals einen unerreichten Realitätsgrad, und auch wenn man nur Monstern die Rübe weggeknallt hat, so fühlte es sich doch echt an. Meine Killerinstinkte haben in dieser Zeit Überhand genommen, soviel is' mal klar. 1996 dann kam Quaak (Name einfach so geändert), und die Welt stand Kopf. Ich hätt ja fast meine Tastatur vollgereihert, so realistisch war das. Anfängliche Skepsis ob des Realismus' wichen aber schnell der Faszination; boah hatte ich Spaß dabei, den ganzen Soldaten mit meiner Wumme eins überzubraten! Nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, dass auch im wirklichen Leben anzuwenden, aber jetzt weiss ich ja, dass das kein Spaß war, sondern Training.
Zu der Zeit fingen auch die ersten Online-Spiele bei mir an, ich trat einem Killerclan bei um meine Killerinstinkte in Killerspielen weiter zu schärfen. Mittlerweile bin ich so geübt dass ich nur noch als Alleingänger durch die virtuellen Welten streife und anderen zeige, wo der Hammer hängt: Wer nicht spurt wird gnadenlos flach gelegt! Also, ähm, naja, virtuell getötet halt, ihr versteht schon was ich meine. Damals wie heute ging es uns irgendwie nur um den Wettbewerb, alles, was nur Firlefanz war, wurde deaktiviert. Blut zum Beispiel hat nur die Optik gestört, weg damit. Texturen? Lenken ab, braucht kein Mensch. Sah dann ungefähr so aussah wie auf dem Screenshot (is' übrigens Quaak 3). Aber naja, wie wir ja jetzt alle wissen, wahrt einen auch eine Legooptik, bei der sogar meine Mama lacht, nicht davor, dass man als Killerspielspieler irgendwann einen Menschen töten wird. Das weiss ich jetzt.
Achso, hatte ich eigentlich schon erwähnt dass ich auch Metal höre? Ja, richtig, diese gewaltverherrlichende, satanistische, menschenverachtende Musik, die ja auch so mancher Amokläufer gehört hat und die ja auch bestimmt dazu führt, dass man irgendjemanden ins Jenseits schicken möchte. Dass ich solche Musik höre, um angestaute Energie eher ab- denn aufzubauen, dass viele Bands in nur einem Song mehr (sinnvollen) Inhalt verpacken können als Britney Spears oder Christina Aguilera in einem ganzen Album (wenn überhaupt...), das darf natürlich nicht zählen. Die Musik ist aggro, also bin ich es auch! So siehts mal aus!
Ich bin mir noch gar nicht so sicher wie ich das mit dem Umbringen anstellen soll, immerhin habe ich keinen Zugang zu Waffen oder so, und irgendjemanden totprügeln, nee, das is' nich' so mein Ding. Eigentlich weiss ich auch gar nicht, warum ich das tun sollte: ich komme aus guten sozialen Verhältnissen, meine Familie ist intakt, ich habe Freunde, habe Spaß am Leben. Aber ich spiele Killerspiele, also muss etwas mit mir nicht stimmen. Schließlich hat Günther Beckstein gefordert, dass "Killerspiele in derselben Größenordnung wie Kinderpornographie einzuordnen sind" - und mit Pädophilen stimmt doch auch was nicht, oder? Und Scatman Ede, mein persönliches Vorbild, der sagt ja auch, dass Killerspiele zum Töten animieren. Ich will doch eigentlich gar nicht, aber ich muss!
Sicher, da gibt es auch ein paar Gegenstimmen aus der Opposition, und man möchte auch darauf aufmerksam machen, dass vielleicht ganz andere Faktoren für Amokläufe sorgen können, z.B. gescheiterte Familienpolitik, soziales Umfeld, Perspektivlosigkeit – wobei ich das nicht glauben kann, denn schließlich betont unsere große Koalition aktuell doch immer wieder, wie toll doch das erste Jahr war. Und hey, es gibt schon einen Grund warum die grünen Jungs und linken Mädels in der Minderheit sind – weil sie nämlich doof sind und keiner sie gewählt hat. So siehts mal aus.
Es tut mir also sehr leid für die Person, die durch mich ins ewige Himmelsreich geschickt wird. Aber wie wir alle sehen, die Fakten sprechen für sich. Ich habe keine Wahl.