Kritik an StudiVZ nicht erwünscht?

Ohauaha, jetzt schlägts aber dreizehn: Im offiziellen StudiVZ-Blog ist am 27. Oktober ein Beitrag aufgetaucht, der unter anderem diese Passage enthält:

3) Kommentare von ungeeignetem (z.B. beileidigen Dritter) Inhalt oder absurde Spekulationen nach dem Muster des Herrn Peter Turi haben keinen Mehrwert für die Leser dieses Blogs, verärgern bloss die Leute und mich und führen zu schlechter Laune oder weiteren unsachlichen oder falschen Spekulationen. Diese und andere Themen können auf anderen Seiten/Blogs/Foren ausgetauscht werden.
Ehssan Dariani

Entschuldigung!? Wenn also Kritik und Spekulationen nicht erwünscht ist, dann klingt das für mich mehr nach Zensur als Selbstschutz für die anderen Leser. Und dass die Kritik auch durchaus berechtigt sein kann, daran sollten selbst die Macher nicht zweifeln. Das fängt beim Plagiarismus an (siehe Facebook), sowohl bei der Optik als auch beim Funktionsumfang, der nahezu identisch ist. Was einen natürlich nicht daran hindert, im Impressum anzugeben, alles wäre von ihnen.

Weiter geht es mit den seit ungefähr einem halben Jahr andauernden technischen Problemen. Und da kann man sich noch so sehr entschuldigen, zum einen nervt es einen irgendwann, zum anderen könnte man sicherlich auch vorrausschauender planen - es war irgendwo klar, dass gerade am Semesteranfang die Anzahl der neuen Mitglieder dramatisch ansteigen würde. Im übrigen interessiert sich auch niemand für etwaige Fehlermeldungen, und nach einem halben Jahr der Beschwichtigungen neigt man dazu, eher skeptisch denn mitfühlend zu sein.

Aber über all das kann man ja hinwegsehen, wenn man das große Ziel hat, "die Netzwerkkultur an europäischen Hochschulen zu fördern, die Anonymität an den Hochschulen zu senken und eine intuitiv bedienbare Plattform zu bieten, auf der sich Studierende sowie studentische Initiativen kostenlos zu überwiegend lokalen Campusthemen organisieren und austauschen können" (Quelle). Ehrlich Jungs, das glaubt euch doch kein Mensch! Money talks, that's all. Schließlich wird ja auch schon über eine 25% Rendite gesprochen, die durch subtile Werbung erreicht werden soll. Und die Konkurrenz gibt es ja ohnehin bald nicht mehr:

Momentan fragt man uns noch nach der Konkurrenz. In ein paar Monaten wird das nicht mehr der Fall sein, dann wird es nämlich keine mehr geben.
Ehssan Dariani im SZ-Interview

Arroganz? I woo!

Und überall dem thronen die Samwers aka Klingelton-Terroristen, die ja bekanntlich in das StudiVZ investieren. Und ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich ihnen die reine Beraterrolle zusprechen mag. In der Vergangenheit haben sie zwei Mal gezeigt, wie eine Firma aufgebaut und dann für kräftig Asche verkauft wird (Alando und Jamba!). Und StudiVZ ist durchaus lukrativ; Ausführliche Personenprofile von über 800.000 Studenten - Tendenz steigend - dürften für einige sicher ein guter Grund sein, ein Angebot auf den Tisch zu legen.

Aber was schwafel ich hier, ich spekuliere und übe Kritik und all das ist ja nicht erwünscht. Um also nochmal auf die Kernaussage zurück zu kommen, Herr Dariani hat direkt beschwichtigt:

Nehmt es mir nicht über, aber ich sehe die Kernaufgabe meines Blogs darin, die Studis mit (technischen) Infos rund um das VZ zu versorgen.
Ehssan Dariani

Wenn ihnen Kommentare nicht schmecken und es ihnen nur im die Infovermittlung geht, schalten sie doch einfach die Kommentare ab. Dann kommen sie auch nicht mehr in die Verlegenheit, ganz offen von Zensur reden zu müssen.

Update: Noch ein kurzes Wörtchen zum Thema Datenschutz:

Der Betreiber behält sich vor, diese Nutzungsbedingungen jederzeit und ohne Nennung von Gründen zu ändern. Die geänderten Bedingungen werden dem Nutzer dann per E-Mail zwei Wochen vor ihrem Inkrafttreten zugesandt. Wenn der Nutzer innerhalb von zwei Wochen nach Empfang der E- Mail nicht widersprochen hat, gelten die geänderten Bedingungen als angenommen. Studiverzeichnis AGB's

Das kann man ja noch hinnehmen, da derartiges gang und gäbe ist.

StudiVZ behält sich vor, diese Datenschutzbestimmungen jederzeit zu ändern, wenn Änderungen aufgrund von nachträglich erkannten Regelungslücken oder im Hinblick auf neue von StudiVZ bereitgestellte Dienste erforderlich werden. StudiVZ wird Dich über alle Änderungen dieser Datenschutzbestimmungen durch StudiVZ per E-Mail an die von Dir im Rahmen der Registrierung angegebene E-Mail-Adresse informieren.Studiverzeichnis Datenschutzverpflichtung

Das nicht mehr. Mit anderen Worten, Datenschutz ist sowieso hinfällig, da jederzeit änderbar, sollte die Plattform wirklich verkauft werden. Soviel dazu.

drauf gestoßen via YAMB.BETA²

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Diskussion: 9 Kommentare

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  1. 1 Mike Schnoor (Website)

    Strike, das sitzt ebenso gut wie bei Rob und allen anderen! ;)

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  2. 2 Rudolf R. (Website)

    Hmm,

    durch Deinen Vergleich ist mir das erst bewußt geworden, die haben uns kopiert!

    Rudi

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  3. 3 matze (Website)

    Man man man…

    Der Typ ist echt sympathisch! Sehr schön aufgedeckt. Und das mit dem Design und Programmierung… ein Schelm der böses dabei denkt ;-)

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  4. 4 pete (Website)

    Mehr als nervig ist die schlechten Server auf denen sie die Seite betreiben. Ich kann stets nicht glauben, dass gerade wo es so populär ist die Leute da noch bock drauf haben.

    Die oben angesprochene Leienhaftigkeit des Design ist durch die Datenschutzbestimmungen natürlich noch deutlich bestärkt worden.

    Was man ihnen zu gute halten muss, ist komm das sie es geschafft haben die Zahl der User so groß werden zu lassen. Man findet ja tatsächlich Leute welche man schon lange aus den augen verloren hat. Jedoch zum Preis der Gedult im Seitenaufbau. Viele haben ja auch schon resigniert, wenn man sich anguckt wie oft diese online sind …

    Des weiterem erinnert mich dieses “gruscheln” an Kindergeburtstage, welche bei mir schon rund zwei Dekaden her sind. Könnte man auch einfach “Gruß senden” nennen. :-)

    Aber schlimmer als das: Die Macher der Seite, beschäftigen (angeblich) 32 Leute in ihrem Berliner Büro. Da kann man sich doch fragen WOZU. Scheint ja ein rießigen Verwaltungsaufwand zu geben. (Wenn die Seite richtig gemacht ist gibt es gar keinen Verwaltungsaufwand, außer den Admin der ab und zu mal schaut ob das Backup geklappt hat.)
    Nun also wenn man sich mal brutal ausrechnet was die Einstellung von 32 Leuten pro Jahr kostet, ist man schnell bei mehreren Hundert Tausend EURO wenn nicht schon bei mehr als na Mio.
    So nun die Preisfrage … wie finanziert sich den das gute StudiVZ. Also Werbung scheint es net zu sein, dafür ist ja zu wenig. Aber irgendwelche Profil Adress und Kontaktadressen Scouter könnten hier schon mal ein wenig Geld in den Topf werfen. Da man hier ein deutliches Profil hinterlegen muss, ist die Kathegorisierung und Filterung, SEHR leicht und gut möglich. Eigentlich Pervers gut.
    Aber das ist somit wohl der Preis den man zahlen muss wenn man hier und dort jemanden wiederfinden will. Zumindest ist eine NOCH eine (primär) vollständig kostenlose Community. (Gibt genug andere mit GOLD, PREMIUM und haste net gesehen Mitgliedschaft)

    Somit entscheidet selbst ob ihr mitmachen wollt …

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  5. 5 Jeriko (Website)

    Wie sich das StudiVZ aktuell finanziert ist ja auch im Beitrag verlinkt. Ansonsten liefert YouTube ja ein schönes Beispiel, wie sowas laufen kann: Selbiges hat auch nie einen Gewinn abgeworfen, und trotzdem hat Google 1,6 Mrd. $ dafür locker gemacht. Die wirkliche Vermarktung beginnt erst jetzt.

    Die Vermutung liegt einfach nahe dass man mit StudiVZ das gleiche probieren will – was ja auch in das Profil der Samwer-Brüder passen würde.

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  6. 7 Lukas

    StudiVZ ist ständig down, StudiVZ behält sich vor alle Daten weiterzuverkaufen, StudiVZ will keine Kritik, StudiVZ sind eigentlich Nazis.

    Wer keine Kritik ertragen kann betreibt Zensur, entwickelt sich nicht weiter und wird mit der Zeit untergehen.

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  7. 8 HS

    Ich weiß nicht, ob es schon jemanden aufgefallen ist. Heute Vormittag war es mal wieder so weit. Man konnte alle Gruppen von mir sehen, auch bei denen ich “eingeschränkt” gewählt habe, die bei mir grau hinterlegt gezeigt werden. Scheinbar wurde dieses Problem aber wieder behoben. Macht mich dennoch stutzig…

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  8. 9 dude

    Wer der AGB nicht zustimmen möchte, der braucht das auch nicht zu machen! Das ganze StudiVZ ist eine freiwillige Sache und niemand muß sich gezwungen fühlen, mitzumachen. Deshalb versteh ich das ganze rumgeflenne mit Offenlegung der Daten nicht. Ich mein, wer seine privaten Daten sowieso auf die Seite setzt, der hat seine Daten schon veröffentlicht.

    Und es war auch völlig abzusehen, daß sich das Konzept kommerzialisieren wird. Niemand möchte für lau arbeiten und eventuell noch für server und Serverarbeiten draufzahlen. Es ist für jeden kostenlos sich anzumelden und zu betreiben, sogar wenn man gar kein Student ist.

    Einerseits beschweren sich manche, daß StudiVZ nervige bugs hat, andererseits beschwert man sich, daß die downtime immens lang andauert…kein Wunder, denn dort müssen ja erst mal die 1 millionen emails ala ‘Hallo, von den 6 Tagen, die ihr jetzt off seid, sind das 5 3/4 zu viel.’ durchgelesen werden. Kein Wunder, daß die 32 Leute brauchen und auch kein Wunder daß sich der Typ so aufregt. Das hat für mich nichts mit Kritikunfähigkeit zu tun, das war höchstens ziemlich unprofessionelles Verhalten.

    Und das mit dem geklauten Konzept stimmt schon, aber vor dem VZ kannte so gut wie niemand facebook und nach der Veröffentlichung waren erstmal ein halbes Jahr lang nur knapp einige tausend Leute angemeldet. Erst danach hat es geboomt, warum kein erfolgreiches Konzept klauen und konvertieren?

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