Freitag, 29. September 2006

Internet Explorer 7 und CSS 2.1 Unterstützung #2

In einem früheren Artikel hatte ich meine Meinung zur Unterstützung von Cascading Style Sheets Version 2.1 durch den Internet Explorer 7 dargelegt. Ich habe es nicht so eng gesehen, da zumindest die bekannten Bugs behoben wurden.

Diese Meinung muss ich mittlerweile revidieren.

Die Sicht des Nutzers

Eigentlich ist das, was Microsoft den Internet-Nutzern mit dem Internet Explorer 7 vorsetzen will, eine Unverschämtheit. Von der Nutzerseite her ist das neue Interface zu bemängeln, das mit sämtlichen Konventionen bricht und nebenbei auch nicht wirklich ansehlich ist – nicht jeder steht auf dieses popbunte Zeugs. Menü? Gibt es, aber viel Spaß beim Rausfinden, wie man es erreicht. Die Buttons wurden so ganz nebenbei auch nochmal neu angeordnet, damit der User sich auch wirklich mit dem neuen Interface auseinandersetzt. Die wirklich interessanten “Neuerungen” (Tabbed Browsing, RSS Reader, …) sind auch nur Kopien von anderen Browsern.

Die Sicht des Entwicklers

Zur CSS 2.1 Unterstützung kann man mittlerweile nur noch sagen, dass es lächerlich ist. Okay, die Bugs aus dem noch aktuellen Vorgänger Internet Explorer 6 wurden behoben. Dafür sind auch mit dem letzten Release Candidate schon wieder mehr als genug Fehler aufgetaucht , die nicht mehr behoben werden.

Aber wie siehts denn nun mit der Unterstützung aus? Die Pseudo-Elemente :before, :after und :focus sind nicht vorhanden (adieu du einfaches clearen von float-Containern), :active funktioniert nur bei Links und verhält sich wie :focus, display: table ist nicht vorhanden, und diese Liste lässt sich vermutlich fortsetzen. Und eben auch all die schon vor der Markteinführung bekannt gewordenen Fehler in der Umsetzung generell.

Weitere Gedanken

Die Entwickler haben im offiziellen Blog immer betont, dass der Internet Explorer 7 nur ein Update zur Version 6 sein wird, bei der die bekannten Fehler gefixt sind. Was übrig bleibt ist ein Browser mit einer mehr als nur nachlässigen Unterstützung geltender Webstandards. Microsoft zeigt hier wieder mal seine Dominanz – als Marktführer muss man sich nicht an Regeln halten, man gibt sie vor, ob die Menge es nun will oder nicht. Dem Nutzer ist es egal, er freut sich über einen modern aussehenden Browser mit eingebauten Sicherheitsfeatures, die Unterstützung von Webstandards ist ihm egal. Der Entwickler dagegen wird auch die nächsten Jahre gezwungen sein, sich mit den Unzulänglichkeiten, Fehlern und Darstellungsproblemen rumzuschlagen – einfach weil die Seite auch und gerade im Internet Explorer 7 gut aussehen muss.

Schluss

Ich schließe mich der Meinung von Roger Johansson und Robert Nyman an – Microsoft sollte mit der Veröffentlichung ihres neuen Browser warten. Sie sollten als Marktführer in punkto Unterstützung von Webstandards nicht die Rolle des Verfolgers, sondern des Gejagten übernehmen – aber bis es einmal soweit ist, wird noch sehr sehr viel Zeit vergehen.

3 Kommentare

  1. Markus Stange

    > (adieu du einfaches clearen von float-Containern)

    Das Clearen von Floats funktioniert immer noch wie im IE6, und zwar mit height: 1%;.

    Aber es ist natürlich schon doof, dass noch so viele Bugs existieren – wenn die sich mal einig wären, wie mit dieser Bug-Datenbank umzugehen ist, hätten sie vielleicht schon etwas mehr geschafft. Wir müssen dann wohl einfach noch etwas weiterwarten.

  2. Patrick

    Mit den Updates meinten sie wohl nur Sicherheitsupdates, das Teil soll ja super-sicher sein, jedenfalls unter Windows Vista, aber an dem CSS Update haben sie nur ein bisschen rumgeschraubt.

    Eigentlich schon ne absolute Frechheit, es sollte doch nicht so schwer sein, diese Features noch in die Rendering-Engine zu integrieren, alle anderen bekommen das doch auch hin, und das schon seit Jahren.

    Da muessen wir dann wohl auf IE7.5 oder IE8 warten und dann geht das ganze Spiel von vorne los, wenn FF und Opera schon bei CSS3 sind. ;-)

    Greetings

  3. awokenMIND

    Wirklich eine Armut, dass Microsoft wieder nur stückchenweise zulegt und man wieder nichts halbes und nichts ganzes bekommt. Das Problem scheint einfach zu sein, dass die meisten Entwickler mit FF arbeiten, die meisten User aber mit IE surfen. Die Frage welche Zielgruppe Microsoft wohl eher bedienen möchte ist wohl klar oder? Ich finde es immer wieder nervig, Browserweichen und Bugfixes (die nichts weiter als Dirty-Lösungen sind) einbauen zu müssen. Erst vor kurzem musste ich auch noch zwischen altem und neuem IE unterscheiden, da der neue IE gewisse Standards dann doch berücksichtigte…. Es nervt einfach nur.

Kommentar schreiben

SEOs brauchen es erst gar nicht probieren, Kommentare mit dem Zweck der kommerziellen Eigenwerbung (Links zu Shops, Firmen, o.ä.) sowie sinnloser Schrott werden ebenfalls als Spam markiert. Wenn ihr etwas völlig anderes beisteuern wollt, dann bitte über den normalen Kontakt.